Mit euch hinein ins Vergnügen !
Ich möchte gerne alle Nähbegeisterten auf meinem Weg durch den Stoff- und Schnittejungle begleiten und meine Wege vorstellen. Vielleicht sind einige dabei, das würde mich freuen!
Dieser Mantel war eigentlich als Probemodel für den Marfy Schnitt 2886 gedacht. Mein vorbereiteter Tweedstoff sollte für eine Hose und diesen Mantel verwendet werde, aber ich war mir mit der Konstruktion und dem Sitz nicht ganz sicher. Der Wollstoff schien eine gute Möglichkeit zur Probe zu sein, auch weil ich ihn mir wirklich als Mantel gut vorstellen konnte. Ich wußte, dass Marfy keine Nähanleitungen schickt, auch keine Schnittkonstruktionszeichnungen. Probemodelle sind daher eigentlich ein Muß.
Die Zungenärmel und der gerade Schnitt gefielen mir als Abwechslung, für meine sonstige Vorliebe für eingesetzte gerade Ärmel.
Kein Futter war vorgesehen, ich wollte etwas leichtes schwingendes, aber um die Schultern zu verstärken, wurde der rückwärtige Ärmel mit dem Belegstoff verstärkt, genau so wie die Ärmelaufschläge.
Die kann man natürlich auch aufkrempeln, vor allem wenn der Mantel offen getragen wird.
Als Belegstoff oder für Taschen- und Saum hab ich aus meinem Fundus diese Viskose ausgewählt, ihr werdet vielleicht sagen, na ja, passt nicht so optimal. ich fand dann aber das geometrische, mit schwarz kombinierte Muster doch ganz flott. Für den Reversbeleg musste sie auch herhalten, denn der Oberstoff ging sich dafür nicht mehr aus. Die Säume von Ärmel und Mantel sind mit diesem Belegstoff verstärkt überall auch Vlieseline aufgebügelt.
Taschen gibts auch
Anstatt Knöpfe bestellte ich mir schwarze Druckknöpfe zum Annähen, ich fand das passte besser zu dem Stoff, und leicht genug dafür ist er auch.
Schulterpolster mußten her, (ich habe abfallende Schultern) überzogen werden und aufgenäht, damit der doch leichte Mantel akzentuierter sitzt. ich habe den rechten Schulterpolster mit einem zusätzlichen Vließ etwas dicker gemacht, damit sich meine ungleichen Schultern nivellieren.
Ich zeige euch auch die Seitenansicht, denn da stoßen die Streifen so schön aufeinander und geben ein tolles Muster.
Ich bin sehr zufrieden mit diesem Mantel, er trägt sich leicht, ist doch warm, auch mit der Länge und sitzt dank der Schulterpolster gut.
Für meinen Tweed ist er aber nicht geeignet, das hätte mir nicht gefallen, daher bin ich froh ihn vorher probiert zu haben.
Hier ist auch mein selbstgestrickter Pullover zu sehen, ich hab ihn noch gar nicht vorgestellt.
Bei meinem 4€/m Einkauf eines Stoffüberhangs der Firma Schneiders war auch dieser etwas dickere Doubleface Wollstoff dabei. Die zwei Farben sind blau und beige-grau. Ich hab mich außen für den helleren Ton entschieden. Es sollte eine Wanderjacke werden, zum Spazierengehen, aber auch nicht zu sportlich. Außerdem sollten Blazer oder dünnere Jacken darunter passen, auch für kältere Tage.
Von den vielen Schnitte im Heft Carta Modelli Nov 2019 gefielen mir viele, genommen habe ich dann diesen:
Er ist zwar aus einem dünneren Stoff im Heft, doch ist der Verschluss variabel und die Länge als Kurzmantel zu sehen. Ich habe kein Futter verwendet , (no na bei einem Doubleface) doch in den Ärmeln wollte ich dann doch eines, da schlüpft man besser hinein.
Die Nähte sind entweder mit französischer Naht (Seitennähte, Rückwärtige Naht, Ärmelnähte, Vordere Mittlere Teilungsnaht) oder mit Paspeleinfassung gearbeitet. Dafür habe ich mir extra ein Füßchen für das Nähen mit Paspeln besorgt und ich habe es auch nicht bereut. Die Paspel wurde aus einem leicht elastischem Baumwollstoff geschnitten, was jetzt nicht ideal war, aber tolerabel. Alle Paspelteile sind vor dem paspelieren zusammengenäht, denn während der Arbeit sollte das Band nicht ausreißen.
Es geht wunderbar schnell und sauber.
Die vordere Kante und der Saum sind mit Vliseline verstärkt und mit der Hand genäht
Statt 2 Paspeltaschen habe ich gleich 4 genäht, ich dachte sicher ist sicher, die oberen wie bei einer Cabanjacke.
Der You Tube Kanal von Einer japanischen Näherei: Atelier Saison ist sehr inspirierend um neue Techniken auszuprobieren. Bei der Taschenkonstruktion habe ich mich genau an ihr Vorbild gehalten, es wird sehr akkurat genäht. Der Kanal is auch für viele andere Techniken sehr hilfreich, die genaue Arbeit hat mir imponiert.
Bei den vielen Lagen im Kragen muss schön zurecht und zurückgeschnitten werden:
Ich wollte dann doch keine Knöpfe, der Verschluss sollte schlicht und eher unauffällig werden. Ich hab mich für 2 große Metall Drucker und 2 Pelzhakenverschlüsse entschieden. An den Dragonern und den Ärmelschlitzen musste aber schon noch eine Befestigung und ein Akzent her, es wurde eine kleine Stickerei :
Die Ärmelabschlüsse sind wie bei einem Blazer gearbeitet, statt Knöpfe eben die Stickerei.
Städtetaugliche Kombinationen sind möglich, hier nur die für die Praterrunde zu sehen.
So, nun kommen wir zum nächsten Teil, denn wie ihr seht, ist der Mantel doch aufwändig, viele Schritte müssen gemacht werden. Ich habe auch von Ende November bis Anfang Jänner gebraucht.
Bevor das Futter eingesetzt wird müssen die Säume gerade und der Fall schön gerade sein.
Die Taschen sind etwas steif und sie sollen sich an die Biegung des Vorderteil anpassen:
Also wird dressiert, gebügelt mit feuchtem Tusch und mit der Hand geformt.
Nachdem dieses Projekt doch eine ganze Weile gedauert hat, möchte ich euch meine Vorgehensweise auf 2 Teile näherbringen.
Ich beginne naheliegend am Anfang mit Stoff und Schnitt:
Diesen Schnitt von Gabrielle Strehle wollte ich immer schon einmal verwenden.
Diese leichte A Linie mit strengerem 60 ies Look gefiel mir.
Es ist der Designerschnitt #135 aus der Oktober Burda 2012
Begonnen hat alles mit einem dicken schwarzem Walkstoff aus Wolle von Naturstoffe.
Ich dachte: schnell einen Übergangsmantel für den Herbst machen, denn über dickere Pullover und Blazer passen keine Jacken oder Mäntel. Zum Spazierengehen, oder einfach ein wenig flotter sollte er werden, ohne Futter, Kanten ev. , auch offen.
Auch wollte ich den Schnitt einfach an der Puppe und an mir weiter entwickeln, nur eine Grundform zusschneiden. Dafür hab ich den Schnitt von Patterncompany. , welchen ich für meine Leuchtender Herbstjacke verwendet habe entspechend einer geraden Jacke angepasst.
Ich habe zu Beginn ein wenig mit dem Mantel der Komissarin geliebäugelt, mit seitlichem Schlitz und Rückenriegel.
Doch der wäre ein wenig zu fest und mit duchgehendem Futter , also wie ein Mantel ausgefallen, das wollte ich nicht.
(Als Projekt aber bleibt er aber interessant)
Beim Unterkragen hat sich ein feines Leder aufgedrängt, und eine dicke Baumwollborte als Abschluss ebenso.
Mit den seitlichen Leistentaschen hatte ich so meine Probleme. Zuerst musste ich die Position bestimmen, das war noch das Einfachste. Aber dann, so ganz ohne Anleitung, hab ich alles dreimal gemacht, es wurde immer ungenau oder ich hab mit dem innen und aussen (seitenverkehrt) gehadert, es wollte einfach nicht passen. Ein youtube video hat mich dann gerettet, die Idee zur Bestimmung der identen Lage der Taschen auf beiden Seiten war sehr hilfreich:
An der unteren Kanten der Leiste , dort wo sie an der Aussenseite liegen soll, wird mit einem Heftfaden durch beide übereinandeliegenden Oberteile gestochen , der Faden lang gelassen und an beiden Enden verknotet. Zwischen den Teilen wird nun der Faden geschnitten und ebenfalls beide losen Enden gesichert.
Auf diese Weise lässt sich die Leiste schön plazieren und auch auf der Innenseite das Vlieseline genau aufbügeln.
Innen musste an den Vorderkanten dann auch ein Blendenfutter angenäht werden, denn nur umschlagen und alles offenkantig belassen hätte wieder zu dem Kragen nicht mehr gepasst. (Blende ist aus meinem schwarzen Blouson - und Marlenehosen- Wollstoff)
Die Schulternnähte werden jetzt auch verstärkt, ein Ripsband wird beidseitig aufgenäht, damit sie gut halten. Alle Nähte außer beim Ärmel sind nur geschnitten, die Nahtzugabe auseinandergebügelt und mit der Hand festgenäht.
Für die Ärmel hatte ich nun nicht genügend Stoff um sie im Ganzen zuzuschneiden, also hab ich sie geteilt. Die Ärmel sehen aber nicht gut aus, zu weit und voluminös, die Schulterbreite viel zu weit.
Ich musste den Schnitt ändern. Ich konnte aus dem Reststoff nur verkürzte zweiteilige Ärmel herstellen.
Die Ärmelausschnitte werden um ein ganz schön großes Stück verkleinert.
Um die Ärmel auf normale Länge zu bringen hab ich die baumwollene
Schlaufenborte zwischen die unteren Ärmelteile gesteckt, so hat die Naht
irgendwie auch einen Sinn. Weil aber die Länge noch immer nicht reichte,
bilden jetzt Lederabschlüsse den Ärmelsaum.
Einen seitlichen Schlitz hab ich belassen und die Länge auf überlange Jacke oder Kurzmantntel gekürzt. Geschlossen wird der Mantel mit 4 großen schwarzen Druckknöpfen.
Der Rücken ist immer noch ein wenig zu weit, deshalb fallen die Seitenschlitze auch auseinander, aber ich belass das jetzt einmal so. Mit einer dicken Jacke darunter fällt er wunderbar. Der unterste Drucker seh ich gerade, muss nochmal genäht werden, ist nicht ganz passend,
So ist der Mantel nun geworden, — nicht ganz meiner eher lockeren Vorstellung gemäß, aber er ist super warm und auch ein Blazer oder ein dicker Pullover darunter tragen sich noch immer sehr angenehm. Zum Spazerengehen ist zwar ein wenig zu fein , aber scheinbar gehts bei mir nicht lässiger.
Feiner gehts dann das nächste Mal auch weiter: Das Retrokleid in petrol...